Morgens einfach wieder gerne zur Arbeit gehen

Mir gegenüber sitzt eine hervorragend ausgebildete, berufserfahrene und zutiefst frustrierte Frau.
„Ich will morgens einfach wieder gerne zur Arbeit gehen, mich darauf freuen“, sagt sie bedrückt, achselzuckend. 

So oder ähnlich klingt es bei der Mehrheit der Menschen, die mir hier am Tisch sitzen. Es sind die, die schon losgelaufen sind, die den Prozess der beruflichen Veränderung angestoßen haben. Sie wissen nicht was sie erwartet und was noch genau zu tun ist, aber sie sind über „Los“ gegangen. Häufig geben dabei äußere Begleitumstände den Startschuss: die Elternzeit geht zu Ende, zunehmender wirtschaftlicher Druck im Unternehmen, eine betriebsbedingte Kündigung…Seltener ist es die „reine“ Unzufriedenheit, so dass es einfach nicht mehr auszuhalten ist im Job.  

Erstaunlich, wie leidens- und anpassungsfähig wir sein können. Was hält uns davon ab, es anzugehen? Warum stecken wir über Monate, sogar Jahre, den Kopf in den Sand? Es sind die ängstlichen Stimmen in unseren Köpfen, die uns in den Freeze-Modus versetzen: Es gibt ja auch gute Phasen (die sind selten und gut wird zu einem strapazierfähigem Begriff). Es wird bestimmt wieder besser! (da bescheißen wir gerade unseren gesunden Menschenverstand). Den anderen geht es ja genauso (…). Es ist nicht der richtige Zeitpunkt (it never is, darling) usw..

Empfindest Du bei der Arbeit, die ein Großteil Deiner Lebenszeit ausmacht, mehrheitlich Freude? 

Natürlich ist es leichter, wenn Du durch äußere Umstände zum Handeln geführt wirst. Bei mir war es so und erst durch diese Situation habe ich mir erlaubt, neu zu denken. Was auch immer Dir den Impuls gibt den ersten Schritt zu wagen – mach Dir bewusst, dass Du auf diesem ziemlich großartigen Planeten verweilst und per Geburtssegen ein privilegiertes Leben führst. Und ist es da nicht einleuchtend, dies möglichst positiv zu gestalten? Es braucht ja nicht immer direkt die große B*-Frage zu sein. Aber innehalten, um Dich zu fragen, ob Du mehrheitlich Freude empfindest bei der Arbeit, die ein Großteil Deiner Lebenszeit ausmacht, das kannst Du schon mal machen.

Was brauchst Du um gerne zur Arbeit zu gehen? Was motiviert Dich, was sind wichtige Werte, die Dich antreiben? Was ist bei Deiner Tätigkeit unverzichtbar? Verschaffe Dir einen Überblick Deiner Kriterien und bewerte Sie für Dich nach Wichtigkeit. Vielleicht kommt dabei heraus, dass Deine Kollegen Dich zwar nicht täglich per Konfetti-Schauer begrüßen, es aber *allesinallem* halb so wild ist.

Oder Deine Intuition liegt mit ihrem penetranten Unbehagen doch richtig. Dann frage Dich, was Dich bislang davon abgehalten hat, einen ersten Schritt zu gehen. Möglicherweise sind es ja die Vorstellungen von jemand anderem, die Sorge zu Scheitern oder die Angst des Ungewissen. Mit denen könntest Du Dich auseinandersetzen…Aber auch hier kommt vielleicht heraus: „Hey, ich liebe Sicherheit und das ist mein höchster Wert, von daher bleibt alles so wie es ist und das ist verdammt ok für mich“. 

Gestatte Dir ruhig diesen Reflektionsausflug.
Was soll schon passieren?
Notfalls kannst du den Kopf ja einfach noch ein Stückchen tiefer in den Sand stecken 😉

 

Alles Liebe unterwegs,
Jenny

 

 

*Großes B für Berufung. Dazu in Kürze: Berufung ist ein großes Wort.

Jobfrust: Kurz mal den Kopf aus dem Sand? Berufliche Veränderung, eine Reflektionsübung.
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